Schiffweiler / Stuttgart, 12. Januar 2023 – Einem Medienbericht zufolge wurde am Mittwoch im Schiffweiler Ortsteil Landsweiler-Reden (Landkreis Neunkirchen) nach dem Fund einer Hornviper ein Mehrparteienhaus geräumt. Anwohner entdeckten das Tier gegen 15 Uhr direkt vor dem Haus unter einer gelben Mülltonne. Weil die alarmierte Polizei und Feuerwehr nicht ausschließen konnten, dass sich weitere giftige Exoten in dem Gebäude befinden, mussten die 16 Bewohner in Notunterkünften oder bei Verwandten und Bekannten unterkommen. Ein ehemaliger Mieter soll nach Angaben der Nachbarn in mehreren Terrarien Kriechtiere gehalten haben. Tatsächlich stießen die Wehrleute bei einer Durchsuchung in der betreffenden Wohnung auf zahlreiche Schlangenhäute, mehrere tote Schlangen, eine weitere lebende Hornviper und wohl auch giftige Spinnen. Die beiden lebenden, gefangenen Schlangen wurden an einen Mitarbeiter des Zoos übergeben. Bis zum Ende des Einsatzes gegen 21 Uhr fanden die Einsatzkräfte keine weiteren Tiere, Experten setzten die Suche heute fort. Wo sich der ursprüngliche Halter der Tiere zurzeit aufhält, war am Abend noch unklar. Anlässlich dieses Vorfalls fordert die Tierschutzorganisation PETA, die Haltung von exotischen und gefährlichen Tieren in Privathand endlich zu verbieten.
„Der legale und illegale Handel und die Haltung von gefährlichen, exotischen Tieren floriert deutschlandweit. In vielen Fällen sind die Halter nach kurzer Zeit überfordert, setzen die Tiere aus oder geben sie in den ohnehin bereits überfüllten Auffangstationen und Tierheimen ab. Dieser und viele weitere Fälle zeigen einen dringenden Handlungsbedarf“, so Monic Moll, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. „Obwohl die anspruchsvollen Tiere in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden können, sind im Internet etliche von ihnen frei verkäuflich. Zum Schutz von Mensch und Tier setzen wir uns für ein generelles Haltungs- und Verkaufsverbot exotischer Tiere ein.“
 

PETA fordert generelles Haltungsverbot von Exoten in Privathaushalten
Die Tierrechtsorganisation kritisiert, dass der Kauf von gefährlichen und anspruchsvollen Tieren unabhängig von dringend erforderlichem Fachwissen noch immer erlaubt ist. In der Folge brechen jedes Jahr Hunderte exotische Tiere aus ihren Terrarien aus oder werden von überforderten Personen einfach ausgesetzt. Tierheime und Tierauffangstationen sind häufig überfüllt, mit exotischen Tieren, die einen besonders großen Anspruch an ihren Lebensraum haben. Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten. [1]
Das Ergebnis einer Studie, welche vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) 2020 vorgestellt wurde, bestätigt zudem, dass der Handel mit exotischen Wildtieren zum weltweiten Artensterben beiträgt und dass besonders aus Gründen des Arten- und Naturschutzes dringend entsprechend gehandelt werden muss.
Auch wenn es sich um ungiftige Tiere handelt, können Exoten gefährlich für den Menschen sein: Studien zufolge übertragen die meisten Reptilien gesundheitsgefährdende Salmonellenarten; geschätzte 90 Prozent der Tiere tragen die Erreger in sich. Auf den Menschen übertragene Salmonellen können im Extremfall zur Hirnhautentzündung oder zum Tod des Menschen führen – vor allem Kinder sowie immungeschwächte und ältere Menschen sind gefährdet. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge rührt jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern von exotischen Tieren her. [2]
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.
[1] Schmidt, Volker (2008): Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie, 4. Leipziger Tierärztekongress.
[2] Robert Koch-Institut (2013): Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien. Epidemiologisches Bulletin. 4. März 2013 / Nr. 9.

Weitere Informationen:
PETA.de/Themen/Reptilienhandel
PETA.de/Themen/Tierquälerei
PETA.de/Themen/Reptilienchronik

Quelle : PM PETA

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